EPT Season 5 – Die Abrechnung

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EPT Season 5 – Die Abrechnung

Vielleicht interessant zu wissen – schwindelerregende Preise in Monaco

Hallo liebe Leser,

ich weiß nicht, ob die anderen Profis, die mehrere große Turniere spielen, sich Notizen und Gedanken über die vergangene EPT-Saison machen, aber für mich das ist Pflicht. Es ist Teil meiner Arbeit, macht mir Freude und bringt mir oft neue Erkenntnisse. Auf diese Weise sieht man die Ergebnisse klarer und belügt sich nicht selbst, wie manche Spieler das oft machen, sondern man bleibt am Boden.

Zum ersten Mal in meiner Pokerkarriere hatte ich es mir erlaubt, mehrere EPT-Turniere zu spielen, der Grund war der große Erfolg bei der EPT Budapest.

In der EPT Saison 5 (2008/2009) habe ich sieben von den durchgeführten elf EPTs spielen können.

Hier ein wenig Statistik:

1) November 2008 – Budapest – Buy-in: €4.350 – Teilnehmer: 532

Tag 3, Level 23: ausgeschieden mit (8 %) gegen (92 %)

9. Platz – €33.984

2) Dezember 2008 – Prag – Buy-in: €5.250 – Teilnehmer: 570

Tag 1, Level 2: ausgeschieden mit (19 %) gegen (81 %)

3) Januar 2009 – Deauville – Buy-in: €5.300 – Teilnehmer: 645

Tag 3, Level 18: ausgeschieden mit (56,4 %) gegen (43,6 %)

28. Platz – €12.400

4) Februar 2009 – Kopenhagen – Buy-in: (ca.) €7.000 – Teilnehmer: 462

Qualifiziert auf PokerStars

Tag 1, Level 7: ausgeschieden mit (54,7 %) gegen (45,3 %)

5) März 2009 – Dortmund – Buy-in €5.300 – Teilnehmer: 667

Tag 2, Level 11: ausgeschieden mit (81 %) gegen (19 %)

6) April 2009 – San Remo – Buy-in: €5.300 – Teilnehmer: 1.178

Tag 2, Level 10: ausgeschieden mit (31 %) gegen (69 %)

7) Mai 2009 – Monte Carlo – Buy-in: €10.600 – Teilnehmer: 935

Tag 2, Level 11: ausgeschieden mit (48 %) gegen (52 %)

Die Match-ups habe ich mit mehreren Programmen getestet, wie Poker Analyzer, PokerStove, Pocket Knife und habe festgestellt, dass die Endergebnisse nicht immer zu 100 % stimmen. Darum habe ich einige Prozent der Ergebnisse gerundet, was aber keine große Bedeutung beim Ausrechnen der Potodds hat.

Ylon Schwartz ein Exschachspieler, der kurz an meinem Tisch war


Das Finanzielle

Das ist der Punkt, für den sich die meisten Pokerspieler interessieren. Das Problem liegt hier darin, dass die Medien hauptsächlich die Preisgelder der erfolgreichen Spieler veröffentlichen, aber es ist schwer nachzuvollziehen, wer wie viele Turniere mitspielt, ohne je das Preisgeld zu erreichen!

Ich bin durch die zwei Cash-outs (9. Platz bei der EPT Budapest und 28. Platz bei der EPT Deauville) leicht im Plus, wenn ich die Buy-ins abziehe.Die Buy-ins = €42.700 (abzüglich €7.000 von der Onlinequalifikation); gesamtes Cash-out = €46.384. Realistisch gesehen, wenn man die Spesen (Fahrt, Hotel und Unterkunft) einrechnet, bleibt nicht viel von dem Gewinn übrig.

Die Qualität der Spieler bzw. Spielerniveau

Meistens nimmt an den EPT-Turnieren eine bunte Mischung von Spielern teil: Onlinequalifikanten, die oft ohne Erfahrung ihr erstes Liveturnier spielen, reiche Businessmänner, die locker die Buy-ins zahlen können, gesponserte Spieler, die meistens von Poker Stars unterstützt werden, Profis, die ihre Turniere selbst bezahlen und von Turnier zu Turnier reisen, und sogar, zwar selten aber immer wieder, „just for fun“-Spieler, die sich das Buy-in irgendwie zusammengesammelt haben. Ich habe bei solchen Turnieren oft meine Pokerbrille dabei, durch diese habe ich auf eine besondere Art immer wieder etwas Interessantes beobachten können.

Pokerturniere sind wie ein Krieg, oft ein wahres Schlachtfeld. Jeder versucht sozusagen die anderen am Tisch zu vernichten. Stellt euch vor, alle müssten über ein Minenfeld laufen, um zu überleben. So ist es bei einem Pokerturnier. Bei diesem Lauf gibt es ganz unterschiedlich ausgerüstete Pokerspieler bezüglich ihres Könnens und ihrer Kenntnisse. Manche sind perfekt vorbereitet und mit modernsten Apparaten erforschen sie das Feld, sprich den Pokertisch, und laufen an den Minen vorsichtig vorbei (das sind die guten Spieler), um dann später die Preisgeldplätze zu erreichen. Andere Spieler rennen einfach unvorsichtig geradeaus, wie ein Pferd mit Scheuklappen – das sind die schwachen Spieler – und wenn sie Glück haben, treffen sie keine Mine, aber meistens enden solche Aktionen schlimm und mit einem großen Knall!

Hier kommt nun ein wichtiger Punkt, nämlich der Glücksfaktor, ins Spiel, der den Spielverlauf und das Ergebnis oft enorm beeinflusst. Von großer Bedeutung ist, auf welche Spieler man am ersten Tag trifft. Es kann sein, dass der Tisch sehr „leicht“ und voll mit Internetqualifikanten und Amateuren ist, oder sehr „schwer“, besetzt mit Profis und gesponserten Spielern von PokerStars, FullTilt usw.

J. Juanda mit Anti-Schweinegrippe-Maske EPT Monte Carlo

Im Schnitt habe ich bei der EPT meistens Tag 2 erreicht, zweimal bin ich an Tag 3 ausgeschieden, drei an Tag 2 und zweimal an Tag 1.

Wenn ich analysiere, warum ich in Budapest und Deauville im Preisgeld gelandet bin, stelle ich fest:

a) Der Tisch an Tag 1 war bei beiden EPTs nicht besonders stark.

b) Ich hatte es in diesen Turnieren geschafft, schon früh meinen Stack zu vergrößern.

c) Ich hatte Tag 1 mit einem Stack über Average (Budapest: 49.300, Deauville: 46.000) erfolgreich beendet.

Im Gegensatz dazu: Bei den anderen EPTs hatte ich …

a) … bei Tag 1 meistens einen sehr schweren Tisch erwischt und …

b) … mit einem Stack unter Average (Dortmund: 16.000, San Remo: 17.000, Monte Carlo: 23.000) den ersten Tag beendet.

An der obigen Analyse kann man den Grund, warum ich so oft an Tag 2 ausgeschieden bin, gut ablesen. Es ist nicht, dass ich kein Glück hatte, sondern ich hatte an Tag 2 mit einem Stack unter Average das Turnier fortsetzen müssen. Wenn man Shortstack ist (das passiert sehr schnell, wenn man stundenlang unter Average spielt), ist es nur eine Frage der Zeit, wann man einen Bad Beat bekommt und ausscheidet. Selbstverständlich bekommen alle Spieler jeweils mehrere Bad Beats während eines Turniers, trotzdem sind aber nur die Bigstacks vom Ausscheiden geschützt.

Diese EPT-Analyse hat mich zu folgender Schlussfolgerung gebracht: Ich spiele diese großen Turniere zu „tight“, darum komme ich meistens ziemlich weit … aber als Shortstack! Als Shortstack spiele ich aggressiv und in allen sieben Turnieren war meine letzte Hand der Hammer (!) – ich raiste (bzw. reraiste) also all-in und mein Gegner callte. Trotzdem habe ich in allen sieben Fällen verloren und das bringt mich zu neuen Erkenntnissen.

Ich muss in solchen Turnieren mit großen Feldern (alle waren mit über 450 Spielern) mehr Hände und viel looser spielen, sowohl vor als auch nach dem Flop. Besonders, wenn ich Position auf meine Gegner habe. Die Idee ist alt, aber gut: Entweder schnell Chips aufbauen und damit arbeiten oder schnell ausscheiden. Vergesst die Shortstack-Qualen in solch großen EPT-Turnieren!

„Als Shortstack zu spielen erinnert mich immer ein bisschen an einen Zirkus, wo ein Akrobat das Laufen auf einem Seil übt und ständig in Gefahr ist, herunterzufallen.“

Fazit: Schlussendlich ist es aus finanzieller Sicht egal, ob man als 1. oder als 400. aus einem großen EPT-Turnier ausscheidet, weil die Belohnung in beiden Fällen gleich null ist. In meinem Fall konnte ich jedoch dennoch davon profitieren, dass ich mehrfach über zwölf Stunden Poker spielen und dadurch viele neue Situationen erleben konnte und das Wichtigste die Chance hatte, immer wieder Fehler in meinem eigenen Spiel zu erkennen und etwas Neues zu lernen!

Die meisten Pokerspieler spielen lieber und arbeiten eher ungern, von der üblichen Arbeit halten sie sehr wenig. Das ist verständlich, denn das Spielen macht ja mehr Vergnügen als Arbeit. Poker ist in gewisser Weise aber auch eine harte Arbeit, die dann das Spiel vollkommen macht.

Euer Ivo Donev – The Chess Master

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