EPT Kopenhagen: Zieht euch warm an!
Im Resümee war die EPT in Kopenhagen in Bezug auf das Preis-Leistungs-Verhältnis eine der schlechtesten EPTs, die ich je gespielt habe. Zuerst einmal war da das Buy-in von 52.500 Kronen, umgerechnet circa 7.000 Euro. Im Vergleich dazu die EPT Budapest mit 4.350 Euro und die EPT Prag mit 5.250 Euro Buy-in. Wegen dieses hohen Buy-ins erschienen in Dänemark hauptsächlich die starken Profis. Kopenhagen liegt sehr nah an anderen skandinavischen Ländern (Finnland, Schweden, Norwegen), und so war es selbstverständlich, dass die skandinavischen Spieler das Feld vollkommen dominierten. Meiner Meinung nach spielen die Skandinavier, ohne übertreiben zu wollen, besseres Poker als die Südländer wie die Franzosen, Italiener, Spanier usw.
Anders ausgedrückt: Es war ein sehr harter Kampf mit den kalten skandinavischen Cowboys.
Das Hotel SAS Radisson war nur von mehreren abweisend erscheinenden Gebäuden umgarnt, was mich an den Ostblock erinnerte, und das Wetter war so grausam, dass kaum einer der Pokerpieler sich aus dem Hotel traute.
Gut an diesem Hotel war jedoch, dass es hier ein schönes Fitnesszentrum, eine Sauna und ein Schwimmbad im vierten Stock gab, diese Einrichtungen standen allen Hotelgästen gratis zur Verfügung. Ich besuchte diese Einrichtungen jeden Vormittag mit meinem deutschen Pokerkollegen Frank Blümlein (der leider kurz vor dem Preisgeld ausgeschieden ist).
An meinem Starttag wurde ich an Tisch 23 gelost, zusammen mit sieben (!) Skandinaviern und einem Engländer namens Julian Thew. Es war für mich so hart mit diesen Burschen, dass mein Chipstapel konstant zu schmelzen begann, ohne dass ich überhaupt Karten spielte. Wir hatten wie üblich mit 10.000 Chips angefangen, in Level 2 stand ich nur noch bei 9.000, in Level 3 bei 8.000 und in Level 4 sogar nur noch bei 6.500!
Nach so einem traurigen Start fühlte ich mich wie ein Boxer, der gerade einen Haken bekommen hat, diese Situation verursachte bei mir einiges an Kopfschmerzen!
Plötzlich kam die Rettung für mich! Unser Tisch wurde aufgelöst und ich wurde an Tisch 10 auf Platz 3 gesetzt. Plötzlich sah alles wieder besser aus! An meinem neuen Tisch saßen nur zwei Profispieler, die ich sogar kenne: Auf Platz eins saß Sebastian Rutenberg, der gemütlich ein Nichtpokerbuch las (siehe Foto)!
Platz zwei war von Roberto Romanello besetzt. Auf diese beiden Spieler hatte ich erfreulicherweise Position. Für mich war es ein Rätsel, wie Sebastian gleichzeitig die Aktion am Tisch und das offensichtlich interessante Buch verfolgen konnte, was mich ein wenig beruhigte. Trotzdem fühlte ich mich nicht ganz so wohl mit meinem Babystack im Vergleich zu den anderen Spielern am Tisch, die alle einen größeren Stack vor sich hatten.
Als Willkommensgruß erwischte ich sofort den Big Blind und bekam postwendend mein erstes Geschenk in diesem Turnier: Alle foldeten zu mir (sogar Sebastian am Button!) und ich konnte somit die Blinds und Antes einstreichen.
Leider war der Nachteil mit meinem kleinen Stack gegenüber den anderen Spielern an meinem Tisch viel zu groß.
Nach kurzer Zeit entdeckte ich einen Terroristen an diesem Tisch, es war Romanello, der rechts von mir saß. Wenn er im Cut-off, am Button oder im Small Blind war und alle zu ihm gefoldetet hatten, raiste er immer meinen Blind. Es begann ein Katz-und-Maus-Spiel, er (Katze) mit seinem Bigstack gegen mich (Maus) mit meinem Shortstack.
Nach einigen Romanello-Stehlversuchen hatte ich die Schnauze voll und richtete mich auf. In Level 5, 150/300, foldeten alle zu ihm am Button, und er nutzte die Gelegenheit sofort und raiste mit 750.
Na ja, mein Blatt war , nicht sooo schlecht (mein Stack war bei 4.200). Ich wollte die Sache sofort klarstellen und reraiste all-in. Der Big Blind foldete sofort und Romanello entschied sich nach langer Überlegung zu einem Call. Wow, jetzt konnte ich niemals mit meinem J-hoch gut sein. Er deckte stolz K-T auf. Der Vorteil, den er momentan hatte, war nicht besonders groß, und nachdem der Dealer zwei Buben am Flop aufgedeckt hatte, war das Lachen von Romanello eingefroren.
Ich gebe zu, in dieser Situation hatte ich Glück. Aber auch diese Verdoppelung half mir nicht besonders weiter, da ich auch mit meinen über 8.000 Chips wie ein kleines Mäuschen in der Höhle des Löwen dastand (alle anderen am Tisch hatten zwischen 15.000 und 40.000 in Chips)!
Nach diesem kleinen Unfall begann Romanello, meine Blinds vorsichtiger anzugreifen.
Es war gegen 22 Uhr, gerade hatte Level 7 mit 200/400 und Ante 50 begonnen. Eine volle Runde kostete mich somit 1.050 (zurzeit neun Spieler) und ich hatte nur noch 6.000 an Chips übrig. Ich war am Button und alle foldeten zu Romanello, der dann kurz nachdachte und zu mir schaute. Am Ende foldete er und ich guckte voller Hoffnung meine Karten an.
Wow, endlich eine vernünftige Hand – ein Paar Sechsen. Sofort kontrollierte ich die Stackgröße der beiden Blinds.
Ich gebe hier mit Absicht eine detaillierte Analyse wieder, denn solche Situationen kommen oft in Pokerturnieren vor:
A) Wie groß sind die Stacks der Blinds und wie ist das Image der beiden Spieler?
Im Small Blind war ein unerfahrener (sogar ein wenig looser) Südländer mit einem Stack um die 8.000, aber im Big Blind saß Jonas Klausen (ein solider Däne) mit einem Stack von über 20.000.
B) Call mit der Hoffnung, eine Sechs zu treffen?
Hier waren die Chancen bei 1:7,5. Dieser Zug kam nicht in Frage, weil ich dadurch den beiden Blinds einen Gratis-Flop erlaubt hätte und am Flop jede Overcard (Chancen um die 85 %!) der Tod für mein kleines Paar bedeutet hätte.
c) Zu raisen mit einem Standard-Raise auf das Dreifache des Big Blinds (also um 1.200). Falls einer der beiden Blinds vermutete, dass ich ein Räuber war und Sheriff spielen wollte, würde er mich auf 6.000 reraisen (mein All-in). Um zu callen, bekam ich Pododds von 2:1. Und das musste ich tun, weil die Wahrscheinlichkeit da war, dass mein Gegner zwei große Karten hatte, und nicht ein höheres Paar als meine Sechsen.
d) Mit einem All-in-Raise mit meinen gesamten 6.000 hätte ich maximalen Druck auf die Blinds ausüben können mit der Absicht, mit 1.050 meinen Stack um fast 20 % zu vergrößern. Jetzt hätten meine Gegner keine Möglichkeit, mich zu reraisen und bräuchten wirklich eine starke Hand, um mich zu callen. Besonders der Small Blind musste gut überlegen, bevor er fast 80 % seiner Chips in die Mitte schieben würde. Der Big Blind konnte mit einer breiteren Palette von Händen callen, aber wie schon oben erwähnt war er ein guter solider Spieler.
Nach kurzer Überlegung entschied ich mich für einen All-in-Move. Plötzlich begann der Small Blind (der Nichtprofispieler) zu grübeln. Das war ein schlechtes Zeichen für mich, vermutlich hatte er eine grenzwertige Hand und überlegte jetzt, ob ich auf Stehlen aus war oder meinen Move mit einer wirklich starken Hand gemacht hatte.
Schließlich callte er und der Big Blind foldete. Na ja, sagte ich mir, vermutlich hatten wir hier eine Coinflip-Situation und drehte mein Sechsenpaar um. Er seinerseits öffnete A-T offsuit.
Der Killer – pardon – der Dealer war gnadenlos zu mir und brachte eine Zehn sowie auch ein As auf das Board, somit waren meine skandinavischen Träume ausgeträumt.
Danach ging ich sofort Richtung Badewanne, um meine Wunden zu säubern und meine nunmehr sehr starken Kopfschmerzen zu lindern.
Eigentlich habe ich auch von diesem Turnier etwas gelernt. In der Anfangsphase eines Turniers ist es genauso wichtig, einen guten Tisch zu erwischen, wie auch öfters gute Karten zu bekommen. Unter einem guten Tisch verstehe ich wenig starke aggressive Gegner und so viele passive Gegner wie möglich. Außerdem ist eine zu passive Strategie (die ich bis 3. Level verwendet habe) am Anfang eines Turniers, das dann noch aus einem großen Feld besteht, nicht zu empfehlen.
FAZIT: Nur wer schnell Chips akkumuliert und dann gut mit diesen Chips arbeitet, kann sich aus den unvermeidlichen Bad Beats später herausretten!
Am Ende ein Leckerbissen von der Action an den letzten vier Tischen:
Der UTG-Spieler (AA) raiste, der Cut-off reraiste mit QQ, der Big Blind ging sofort all-in (6-6), der UTG-Raiser sowie der Cut-off callten. Nach dem Showdown gewann … die schwächste Hand!
Liebe Leser, ich bin ab dem 10. März bei der EPT in Dortmund und würde mich sehr freuen, einige von euch dort begrüßen zu können.