CAPT Bregenz – Banana aus Panama

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CAPT Bregenz – Banana aus Panama

Hallo alle miteinander,

weil ich nur 4 km entfernt vom Casino Bregenz wohne, bin ich dort seit Jahren Stammgast und es war für mich selbstverständlich, dass ich die größeren Turniere des CAPT Bregenz mit den Buy-ins von €800, €1.000 und €2.000 mitspielen würde. Die Turniere mit den kleineren Buy-ins ließ ich mit Absicht aus, weil man dort mit weniger Chips startet und die Levels nur 30 Minuten andauern. Hier kann man die Steigerung der Blinds in den Turnieren ansehen: Blindstruktur Casinos Austria.

Überhaupt wurden die Turniere im Casino Bregenz vom Poker-Manager Joachim Fuchshofer und Ivo Mayerhofer wie immer 1a organisiert. Es waren auch alle Turniere restlos ausverkauft, sogar für das Main Event mit €2.000 Buy-in bei max. 200 Spielern standen noch 30 Spieler auf der Warteliste!!!

Ich war pünktlich am 26.02. um 14 Uhr am Start des €1.000-Buy-in-NL-Hold’em-Turniers. An meinem Tisch saßen für mich lauter unbekannte Gesichter. In Level 1 mit 25/50 war ich am Button auf Platz acht mit offsuit und alle foldeten zu mir. Es ist selbstverständlich, dass ich die Blinds unter Druck setzen und ihnen nicht erlauben wollte, einen billigen Flop zu sehen. Darum raiste ich auf 150. Der Small Blind war mit meiner Einladung nicht einverstanden und foldete sofort, aber der Big Blind, ein junger Spieler aus Panama namens Jose de la Guardia (Foto), entschied sich, Widerstand zu leisten, er erhöhte sogar auf 400! Da ich gute Potodds und Position hatte, callte ich.

Der Flop brachte , das Internet-Kid machte ein Conti-Bet von 400. Ich wollte aber genau wissen, wo ich stand, und darum feuerte ich eine Erhöhung auf 950 ab, die er ziemlich schnell callte. Der Turn brachte , er checkte, ich war mir jetzt fast sicher, dass ich die bessere Hand hatte, und wettete erneut 850 in einen Pot von 2.550.
Manche werden nun fragen: Warum so wenig?
Am Board lagen vier Kreuzkarten und falls mein Gegner kein Kreuz in der Hand hatte, war es egal, ob ich 850 oder 2.500 wettete. Aber falls er einen fertigen Flush hatte, hätte er wahrscheinlich ein Minimum bezahlt oder sogar auch noch geraist. Ich dachte kurz nach, was seine Wettmuster bedeuten könnten:

a) Vor dem Flop hatte er ein Reraise vorgenommen – das konnte eine starke Hand bedeuten oder er setzte mich auf Stehlen und wollte den Stehler quasi bestehlen.

b) Am Flop hatte er gewettet, was wie ein Conti-Bet wirkte, und sogar meinen Raise bezahlt. Hm, dies repräsentierte wieder eine starke Hand.

Am Turn lag aber noch ein Kreuz am Board und er checkte, offensichtlich hatte ihm das Board nicht gefallen. Darum wettete ich!
Und jetzt kam es wie eine kalte Dusche: Er schaut mich kalt durch seine Brille an und raiste auf 2.300. Ehrlich gesagt hatte ich mir die Farben meiner Karten nicht gemerkt. Ich erinnerte mich nur, dass ich einen roten Buben und ein schwarze As hatte. Jetzt war der Zeitpunkt gekommen, meine Karten wieder anzuschauen. Das As war leider in Pik. Enttäuscht foldete ich meine Hand. Jose war sehr glücklich über meine Entscheidung und zeigte mir stolz , also war er am Turn drawing-dead! Was für eine Banane, murmelte ich verärgert in meinen nicht vorhandenen Bart. Falls mir so etwas online passiert wäre, hätte ich gedacht, dass er irgendwie meine Karten gesehen hätte, aber das hier war live! Mich zu lesen war schwer, weil ich keine Tells ausstrahlte und meine Karten bis zu diesem Zeitpunkt nicht nachkontrolliert hatte, außerdem trug ich eine Pokerbrille.

Also muss ich hier zugeben: Dieser junge Spieler hat mich einfach überspielt und einen Bluff auf höchstem Niveau durchgebracht. Hut ab!

Einige Level später war ich sehr gut mit Massen an Chips im Rennen und trotzdem hatte ich mich wieder gegen eine Hand, die drawing-dead war, ausbluffen lassen. Bei Blinds von 200/400 war ich im Big Blind mit suited, Jan Heitmann hatte in mittlerer Position einen Standard-Raise auf 1.200 gemacht und alle hatten gefoldet. Ich entschloss mich, meinen Blind out-of-position zu verteidigen. Der Flop brachte . Ich checkte, er stellte die Frage: ,,Hast du etwas getroffen?“ und wettete 1.200.

„Ja“, antwortete ich und raiste auf 3.000. Jetzt repräsentierte er eine sehr starke Hand und verlangte insgesamt 8.000 Chips, ich meinerseits war mit diesem Betrag sofort einverstanden und callte: Ich wollte ihm sagen: ,,Jan, reiß dich am Riemen!“
Der Turn brachte . Nach gezeigter Stärke von Jan war es Zeit, in die Defensive zu gehen, also checkte ich logischerweise. Das interpretierte er offensichtlich als Schwäche und wurde noch „lästiger“, er verlangte jetzt sogar 10.000. Wow! Es wurde mir langsam zu heiß. Ich dachte, nach meinem Call würde er die Hand aufgeben, falls sie nicht wirklich sehr stark war. Auf die Frage, wie viel er noch übrig hätte, bekam ich die Antwort: „So gegen 15.000“.
Also, tatsächlich repräsentierte er hier eine starke Hand mit der Absicht, am River die restlichen 15.000 in die Mitte des Tisches zu schieben. Ich dachte zu lange nach, sodass der Floorman gerufen wurde, der mir noch eine Minute gab. Da ich in diesem kritischen Moment um die 33.000 Chips übrig hatte, bereitete ich mit einer Hand die Chips vor, um diese in die Mitte zu schieben, und mit der anderen Hand das Folden meiner Karten.
Bevor ich mir jedoch klar darüber wurde, ob er bluffen würde, denn irgendwie hatte ich so etwas gespürt und überlegte deswegen eine so lange Zeit, oder ob er wirklich eine starke Hand hatte, die mein Paar Asse schlagen konnte, war meine Zeit abgelaufen und meine Hand wurde für tot erklärt. Jan gewann einen großen Pot und zeigt stolz seinen Bluff: offsuit. Sehr gut gespielt!

Dieses praktische Beispiel passt sehr gut zu dem Spruch von meinem Pokerkollegen Antonio Esfandiari: Wenn du callst, zeige ich dir die Nuts, und falls du foldest, zeige ich dir den Bluff!

Trotz dieser schweren Niederlagen schaffte ich es, sogar als Chipleader den Final Table zu erreichen.

Der Final Table (€1.000 Buy-in, 183 Spieler):

Nach nur drei Stunden war das Feld an diesem Tisch von zehn gestarteten Spielern auf fünf halbiert, alle mit ziemlich gleich starkem Stack, nämlich um die 300.000. Die Blinds waren schon sehr hoch mit 10.000/20.000 und Ante von 2.000. Jede Runde kostete also 40.000, so war teilweise das Pokern in dieser Phase fast zu einer Tombola geworden!
Ein junger Spieler aus Österreich, David Breitfuss, war zu diesem Zeitpunkt leichter Chipleader. Er spielte am Final Table die meisten Hände und zeigte ab und zu Bluffs und interessante Ideen. Ich war im Big Blind und David raiste wieder auf 50.000 am Cut-off.
Ich war ehrlich gesagt zu diesem Zeitpunkt schon ein wenig wütend, weil mein starker Chipstack, mit dem ich ins Finale gestartet war, offensichtlich dahingeschmolzen war, und meine Blinds ständig attackiert wurden. Nach seinem Raise foldeten alle und ich plante zu reraisen, falls ich ein As mit einem großem Kicker oder ein Pocket-Paar hatte, da im Shorthanded solche Karten meistens vorn liegen und einen Vorteil haben!
Ich schaute langsam meine verdeckten Karten an und es lachte mir eine kleines Paar, nämlich entgegen.

Jetzt würde ich meine Blinds nicht mehr freiwillig abgeben! Falls ich callte, blieb ich mit meinem kleinen Paar out-of-position und die Wahrscheinlichkeit zu treffen, und zwar eine Drei am Flop, war sehr klein, nämlich 1:7,5.
Darum dachte ich, ich hätte in einer solchen Situation zwei vernünftige Optionen:

a) zu folden, um bessere Situationen abzuwarten oder …

b) … zu reraisen, und zwar ziemlich hoch, um den Pot sofort zu gewinnen

Ich entschied mich für ein Reraise, und zwar ein sehr hohes: all-in mit 302.000. Mein Gegner war wie vom Blitz getroffen. Er begann, seine Chips zu zählen und Auskunft über meinen Chipstand zu erfragen. Es war zu erkennen, dass er über meinen Move nicht glücklich war. Nach mehreren Minuten, die mir wie eine Ewigkeit vorkamen, callte er mit sichtlich großen Schmerzen und drehte ein Paar Buben um. Es kam keine Hilfe vom Board und ich beendete meinen Höhenflug schließlich auf fünfter Platz mit einem Preisgeld von €12.170.

Das Main Event

Am Tag darauf fand das Main Event statt mit einem Buy-in von €2.000. Hier seht ihr ein Foto vom Finaltisch, die Spiele an diesem Tisch wurden sogar im Internet übertragen!

Leider wurde ich auf eine seltene Weise schon in Level 2 (50/100) aus dem Turnier katapultiert. Ich raiste in früher Position mit auf 300 und der Spieler im Cut-off (ein junger Rumäne namens Remus; siehe Foto) und der Big Blind unterstützten mich bei dieser Action.

Der Flop war eine Bombe: , der Small Blind checkte, aber ich, von meinem Volltreffer begeistert, verlangte 650. Der Cut-off  hat mein Angebot angenommen, aber der Small Blind war sofort weg. Der Turn brachte eine Dame, ich wettete jetzt kräftig, nämlich 2.200 und … der junge Rumäne callte sehr schnell. Der River brachte einen König. Wow! Jetzt hatte ich mein Full House. Ich konnte bei meinem jungen Gegner überhaupt nicht einschätzen, womit er mitgegangen war. Ich wettete 4.500, aber plötzlich war er sehr glücklich über meine Entscheidung und schob alle seine Chips in die Mitte. Jetzt sollte ich noch gegen 2.500 nachzahlen in einen Pot von 17.100. Gegen welche wahrscheinlichen Hände würde ich gewinnen und gegen welche verlieren?

a) Verlieren nur gegen seine verdeckten Karten: K-K, K-Q, Q-Q und K-J

b) Gewinnen gegen seine verdeckten Karten: 7-7, K-T, A-K, Straße (z. B.: A-T, 9-T) usw.

Ich callte mit Bauchschmerzen und sah, was ich nicht sehen wollte: offsuit, also ein höheres Full House! Es ist bitter, aber nicht so selten, wenn man eine Hand verliert, die großer Favorit am Flop ist. In meinem Fall, J-J gegen K-Q bei einem Flop von K-J-7, war ich mit 95 % zu 5 % Favorit! Leider verstehe ich erst jetzt, nach dem Spiel, seine Spielweise vollkommen.

Fazit: Mir ist es wesentlich lieber, beim Spiel in früheren Levels ein Risiko in Kauf zu nehmen und sogar früh aus dem Turnier auszuscheiden (oder einen großen Stack aufzubauen), als kurz vor dem Finaltisch oder vor dem Preisgeld als Shortstack auszuscheiden!

Zum Schluss wieder ein Leckerbissen vom Casino Bregenz. Beide Spieler waren am Turn all-in und am Schluss gewann die Hand mit Dame hoch gegen Bube hoch!


Euer Ivo – The Chess Master

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