Las Vegas – “Limit-Action”

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Las Vegas – “Limit-Action”

Hallo alle zusammen!

Manche Pokerspieler nehmen diesen Aufdruck zu ernst …

Nach der „Watsche“, nicht sehr weit entfernt vom Preisgeld beim H.O.R.S.E.-Event auszuscheiden, habe ich mich entschlossen, ein weiteres Turnier und zwar meine „alte Liebe“ Limit Hold’em mit $1.500 Buy-in im Rio zu spielen.

Übrigens möchte ich an dieser Stelle auch auf die Frage eines interessierten Lesers – ob ich irgendwelche Erfolge bei Limit Hold’em aufzuweisen hätte – antworten: 2004 habe ich bei der WSOP den sechsten Platz im Limit Hold’em erreicht.

Nun ein paar Daten zum Verlauf des Turniers vom 12.06.2009:

Teilnehmer: 643

Startchips: 4.500

Level: 25/50

Dauer: 60 min

Warum liebe ich diese Art von Turnieren? Den Unterschied zwischen Limit Hold’em und No-Limit Hold’em vergleiche ich am liebsten mit dem  Unterschied zwischen Hürdenlauf und Weitsprung …

Auch sollte man nicht vergessen, dass durch die Popularität von No-Limit das Niveau der letzten Jahre sehr gestiegen ist und es bei Limit Hold’em noch sehr viele Fische gibt.

Nach zehn Minuten hatte ich – und das ist fast eine Sensation – die Asse 2,5-mal erhalten. Zweimal hintereinander und ein paar Minuten später wieder, leider war es ein Misdeal. Ich konnte meinen Stack gleich um 400 Chips erhöhen. Dafür durfte ich auf die nächsten Asse zehn Stunden lang warten. Dies war in Level 11 (Blinds: 500/1.000, Limits: 1.000/2.000 ). Ein Spieler vor dem Button (Cut-off) hatte als Erster geraist. Da es ein sehr tighter Tisch war, hatte ich auf dem Button mit den Assen nur gecallt, um meine Stärke nicht zu zeigen und weil ich mir auch ziemlich sicher war, dass wir im Heads-up landen würden. So sahen wir zu zweit folgenden Flop: .

Nachdem mein Gegner gebettet hatte, callte ich mit der Absicht, ihn später zu raisen. Der Turn war abermals ein und wieder folgte ein Bet, was mich jetzt ein bisschen beunruhigte. Ich gab ihm etwas wie ein mittleres Paar, weswegen ich wieder callte. River: König. Er bettete abermals und so folgte ein Raise auf 4.000 von mir. Nachdem ich einen Fold oder maximal einen Call erwartete, raiste er mich leider erneut. Mit Bauchschmerzen callte ich und er zeigte mir , woraufhin mein Stack von 25.000 auf ca. 16.000 schrumpfte.

Die Moral von dieser Geschichte: Es ist sehr wichtig, zu welchem Zeitpunkt man die Monsterhände erhält.

Zwei interessante Hände möchte ich euch noch näher vorstellen. Am zweiten Tag startete ich als Shortstack, wodurch ich gezwungen war, tight zu spielen. Der UTG-Spieler, der absolut den kleinsten Chipstapel (vier BB) am Tisch hatte, raiste under-the-gun auf 2.000, woraufhin die folgenden zwei Spieler foldeten. Ich erhielt in mittlerer Position . Nach kurzer Überlegung raiste ich auf 3.000, um ins Heads-up zu gelangen. Dies klappte auch und der UTG-Spieler ging all-in. Ein Spieler hinter mir verstand die Welt nicht mehr und sagte mit Kopfschütteln: „Du hast die letzte Stunde fast keine Hand gespielt und jetzt reraist du mit dieser Karte gegen einen UTG-Spieler, du bist ja nicht ganz sauber, liegst sicher meilenweit hinten …“

Ich antwortete, dass ich glaubte, dass ich vorn liegen würde und callte. In diesem Moment zeigte der ursprüngliche Raiser seine Karten, für mich keine Überraschung: . Es kamen nur kleine Karten und mit As-hoch gewann ich dieses Spiel.

Das Fazit dieser Geschichte: Normalerweise würde ich diese Karte folden, aber die Chancen standen auch nicht schlecht, dass er dieses Raise genauso mit einer mittelstarken Hand durchführen würde, weil der Shortstack unter Druck war.

Als noch ca. 90 Spieler übrig waren, erhielt ich endlich auf dem Button ein paar Kings. Bis zu mir wurde gefoldet und ich raiste auf 2.400 mit meinem Shortstack (ca. 11.000 Chips). Der Small Blind reraiste auf 3.600, der Big Blind machte sich aus dem Staub und sofort reraiste ich auf 4.800.
Nachdem der SB gecallt hatte, sahen wir folgenden Flop: . Ich war froh, dass kein As am Flop zu sehen war.
Der SB checkte, woraufhin ich bettete, er raiste und ich fand keinen Grund, mein Overpair zu folden. So war ich nicht mehr zu bremsen und es wurde bis zum Cap gesetzt. Am Turn kam eine Dame. Nachdem er gebettet hatte, schob ich meine restlichen Chips in die Mitte. Dann zeigte mein Gegner das, was ich nicht sehen wollte: für eine gefloppte Straße.

Somit bin ich zum zweiten Mal kurz vor dem Preisgeld ausgeschieden.

Das Schlimmste ist, dass ich auch in den nächsten zwei Events (Event #31, H.O.R.S.E. mit $1.500 Buy-in, und Event #38, Limit Hold’em mit $2.000 Buy-in) auch Tag 2 erreicht habe und wieder nicht sehr weit vom Geld entfernt traurigerweise ausschied.

Nach so einer schweren Woche fühlte ich mich wie ein Schachspieler, der in der letzten Zeit schlechte Varianten bei den Partien ausgewählt hatte und ständig in schwierige Stellungen geraten war.

But – I never give up!

Im Rio hatte ich die Ehre, ein Foto mit einem der größten Gambler aller Zeiten machen zu lassen: Archie Karas.

Es klingt wie ein Märchen, aber er hat mir bestätigt, dass es sich um die Wahrheit handelt. Damals war er mit $50 nach Las Vegas gekommen und hat es in kurzer Zeit auf bis zu 45 Millionen geschafft. Die ganze Geschichte könnt ihr hier nachlesen (ist in Englisch): http://en.wikipedia.org/wiki/Archie_Karas

Oder kürzer, aber in Deutsch: http://www.pokersucht.com/?p=177

Oder sein Interview ansehen: http://rawvegas.intellipoker.com/index.php/2008/09/11/archie-karas-on-winning-and-losing-40-million-dollars/

Euer Ivo – The Chess Master

PS: Apropos Bilder – die Fotos von meinem vorherigen Beitrag haben einigen Lesern nicht gefallen. – Ich wollte niemanden bloßstellen oder beleidigen. Ich wollte euch – gerade zur Zeit der WSOP – nur zeigen: Auch in der scheinbar glänzenden Märchenstadt Las Vegas gibt es wie fast überall dunkle Seiten sowie tragische Schicksale. Sehr viele Gastarbeiter, Spieler und Touristen träumen in Las Vegas davon, das große Geld machen zu können … Manchen gelingt dies (siehe Foto unten), manchen leider nicht.

Ellix Powers – einer der wenigen Exobdachlosen, der Pokerprofi geworden ist

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