EPT Prag oder: schnell zugrunde gerichtete Hoffnungen!

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EPT Prag oder: schnell zugrunde gerichtete Hoffnungen!

Weil ich in den letzten drei Monaten mehrere Finaltische bei großen Turnieren erreicht hatte, war ich mit großen Hoffnungen nach Prag gereist. Mein Plan war, keine Sidevents zu spielen und am Tag 2 in das Hauptevent einzusteigen. So konnte ich mich gut in dem wunderschönen Hotel Hilton (siehe Foto) akklimatisieren und vormittags Sport treiben – eine Stunde Fitness auf dem Laufband, eine Stunde Schwimmen, anschließend Sauna. So weit, so gut.

Pünktlich um 12 Uhr saß ich an meinem Platz 6 an Tisch 18, die Plätze waren über Computer ausgelost worden. Schon nach kurzer Zeit war meine Hoffnung, leicht Chips anhäufen zu können, fast verschwunden. Leider hatte ich einen für mich sehr unerfreulichen Tisch erwischt! Meine Erwartung, dass am Tag 2 schwächere Leute spielen würden, war total falsch! An meinem Tisch waren alles sehr gute und aggressive Spieler. An Platz 1 und 2 befanden sich bekannte schwedische Profis, an Platz 3 ein verrückter Spanier, der ständig reraiste, links von mir drei unbekannte, aber ziemlich aggressive junge Spieler, die offensichtlich schon viel Spielerfahrung hatten!

Der einzige wacklige Spieler war ein Italiener, der rechts von mir saß und leider mit fast ein Drittel meines Stacks „abbiss“, ich hatte im Small Blind und das Bord brachte . Er hatte Glück, und mit einer Dame am River verbesserte sich seine Hand entscheidend, so konnte er einen Pot von fast 6.000 einstreichen. Mit dieser traurigen Talfahrt hat dieses Turnier für mich begonnen. Nach Level eins hatte ich noch einen Stack von 7.100, weitere 20 Minuten später war mein Stack noch weiter abgespeckt, nämlich auf 5.500. Dann, in Level zwei (Blinds: 50/100), erhielt ich endlich meine bis jetzt beste Hand, , vor dem Cut-off. Alle foldeten zu mir und ich raiste auf 325, links von mir foldete der Cut-off sofort, aber dem Button, der bis jetzt etwas verschlafen wirkte, schienen seine Karten zu gefallen, und er schob einen Stapel schwarzer Chips (Hunderter) in die Mitte. Im selben Augenblick foldeten die beiden Blinds. Ich fragte kurz, wie viel ich zahlen müsste. Die Antwort war: 1.200. Wow! Dieser scheinbar schlafende Gegner, der in Level 1 kaum eine Hand gespielt hatte, war anscheinend plötzlich wach geworden.

Ich begann ernsthaft zu überlegen, meine Damen zu folden, denn irgendwie warnte mich meine Intuition und sagte mir, dass ich mit meinen Damen out-of-position in Gefahr war. Na ja, dachte ich, wenigstens versuche ich den Flop zu sehen. Hoffentlich kommt kein As oder noch besser: hoffentlich kommt eine Dame. Nichts davon wurde wahr. Der Flop war komplett schwarz , ich checkte, aber mein Gegner wollte mich nicht in Ruhe lassen und feuerte kräftig, dieses Mal 1.700. Jetzt war die Situation kritisch. Ich bekam keine Hilfe am Flop, es lag kein As dort, und trotzdem war mein Gegner ziemlich lästig.

Um Zeit für meine Entscheidung zu gewinnen, begann ich, langsam meine Chips zu zählen. Unter meiner Pokerbrille beobachtete ich meinen Gegner, er war ziemlich ruhig, was darauf  hindeutete, dass er vermutlich wirklich eine starke Hand hatte, die ihm vor dem Flop sowie auch nach dem Flop eine ziemlich große Sicherheit gab! Im Pot waren schon (1.700 + 2.400 + 100 + 50) 4.250 und ich hatte noch genau 4.200 Chips übrig. In diesem Fall, wenn ich die 1.700 jetzt gecallt hätte, wäre ich pot-committed gewesen! Ich hatte praktisch drei Möglichkeiten:

a) einfach zu folden und mit einem relativ kleinen Stack (alle an meinem Tisch hatten zu diesem Zeitpunkt über 10.000 Chips) auf eine bessere Zukunft zu hoffen

b) mit meinem Overpair all-in zu pushen

c) zu callen und, falls ein Kreuz am Turn kommen würde, all-in zu pushen, um einen Flush zu repräsentieren

d) am Flop zu callen und am Turn zu folden, falls ich mich nicht verbessere. Meiner Meinung nach kam dies aber nicht in Frage, da ich zu tief im Pot drinsteckte.

Hier bitte ich euch, das Lesen zu unterbrechen, den unteren Text mit einem Stück Papier abzudecken und zu überlegen, was ihr an meiner Stelle getan hättet: Punkt a, b, c oder d?

Die Entscheidung jetzt war sehr wichtig, da es für mich jetzt um das ganze Turnier ging.

Ich entschied mich nach kurzer Überlegung für ein Call, da es mir die Idee nicht gefiel, mit meinem unbeeindruckenden Stack ein Overpair zu folden.

Wie sich bald herausstellte, war meine Überlegung leider falsch! Am Turn tauchte noch eine Kreuz-Neun auf. Ich schob sofort meinen ganzen Stack von 2.500 in die Mitte, was auch mein Plan war, sollte Kreuz kommen, nämlich all-in zu spielen, um einen Flush zu repräsentieren. Es kann nun folgende Frage auftauchen: Was hättest du gemachst, Ivo, falls kein Kreuz gekommen wäre? Meine Antwort: Dann hätte ich höchstwahrscheinlich gecheckt und auf jede Wette meines Gegners gecallt, da ich sowieso pot-committed war. Durch diese Spielweise hätte ich eine schwächere Hand zum Bet verleiten können, da mein Check am Turn Schwäche zeigte. Falls aber das dritte Kreuz aufgetaucht wäre, wäre die Sache anders gelaufen. Trotz der guten Potodds (2.500 zu 5.900 oder Potodds von 2,5 zu 5,9) hätte mein Gegner folden können (er hatte nur einen Rest von circa 5.000 Chips), falls ich ihn davon überzeugen konnte, dass ich mit einen Flusch (oder eine Straße) vervollständigt hatte!

Er grübelte und grübelte und er fragte, wie viel er zahlen musste und wie viel in der Mitte lag. Ich muss zugeben, dass hier die Fold Equity ziemlich klein war. Schlussendlich hat er das magische Wort ,,Call” gesagt und seine roten Könige umgedreht. Ich, mit meinen amen Damen, stand da natürlich auf verlorenem Posten, in den restlichen 44 ungesehenen Karten konnte mir nur eine der verbliebenen zwei Damen (zwei Outs) helfen. Am River kam eine Blank und so war ich ziemlich schnell (nach nur 90 min) bei der EPT Prag ausgeschieden.

Vermutlich habt ihr schon öfter von Spielern gehört, die ihr Ausscheiden mit Pech begründen: Leider hatte ich Pech und bin mit QQ gegen KK gerannt. Ich war viele Jahre Profischachspieler und liebe es, tief in solche Schlüsselsituationen hineinzubohren!

Die Moral der ganzen Geschichte: Ich hatte folgende Fehler gemacht:

a) dass ich fast 30 % meines Stack in Level 1 (!) durch einige leichtsinnige Entscheidungen verloren hatte

b) dass ich gegen einen soliden Spieler out-of-position mit QQ sein Reraise vor dem Flop bezahlt hatte. Hier hatte ich den Verdacht, dass er AA , KK oder AK hatte.

c) Nach dem Flop hatte ich richtig gecheckt und nach seinem Contibet hatte sich der Verdacht auf AA und KK verstärkt! Jetzt sollte ich meine Wunden lecken und folden!

d) Ich hatte seine Fold Equity überschätzt. Um ehrlich zu sein, waren seine Fold-Chancen nach meinem Turn-all-in-Bet sehr klein. Da er mehr als 2 zu 1 an Potodds hatte und ein Overpair, war es bei KK sehr schwer, ein Lay-down zu machen.

Hier die richtige Antworten zu meinem Bilderrätsel des vorigen Beitrages:

a)  Budapest – siehe die ungarische Fahne

b) Dublin – siehe die Beschriftung auf dem Bus

c)  Las Vegas – das Hotel Palms und die Wüste in Hintergrund

d)  London – ein Schwimmbad zwischen den Gebäuden

e)  Lochau – ein wunderschöner Sonnenuntergang, Blick von meiner Terrasse

f)  Goldstrand-Foto vom 12. Stock meines Hotelzimmers !

Wie schnell kann sich die Frisur eines Pokerspielers innerhalb eines Monats doch ändern (10.11.2008 Amsterdam,9.12.2008 Prag):

Und wieder ein kleines Rätsel: Könnt ihr sie zuordnen? Aus welchen Ländern stammen die Massagedamen?

1)     Korea

2)     Brasilien

3)     Schweden

4)     Österreich

A)

B)

C)

D)

Euer Ivo D. The Chess Master

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